Wenn jemand zum ersten Mal von STOTT Pilates hört, kommen meist zwei Fragen auf: Ist das etwas anderes als „normales“ Pilates — und wenn ja, worin liegt der Unterschied? Die kurze Antwort: Der Ursprung ist derselbe, die Sprache und die Schwerpunkte sind andere.
Wo alles beginnt
Joseph Pilates entwickelte seine Methode in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und nannte sie selbst „Contrology“. Die Übungen, die Geräte — darunter der Reformer — und der Grundgedanke, dass die Qualität der Bewegung wichtiger ist als die Quantität, gehen auf ihn zurück.
STOTT Pilates ist eine zeitgemäße Weiterentwicklung dieses Systems. Ab Ende der 1980er-Jahre entwickelten Lindsay G. Merrithew und Moira Merrithew das System in Toronto gemeinsam mit Physiotherapeuten sowie Fachleuten aus Sportmedizin und Fitness weiter. Das Ziel war, das ursprüngliche Übungsrepertoire beizubehalten, die Ausführung jedoch an das anzupassen, was wir heute über die Belastung von Wirbelsäule, Gelenken und Muskulatur wissen.
Die fünf Grundprinzipien
Die STOTT Methode baut jede Übung auf fünf Grundprinzipien auf. Im Unterricht werde ich immer wieder auf sie zurückkommen, denn sie sind kein Einführungsmaterial — sie sind die eigentliche Arbeit.
- Atmung. Eine seitliche, den Brustkorb weitende Atmung, die die Stabilisierung des Rumpfes unterstützt, statt sie zu behindern.
- Beckenposition. Neutralstellung oder Imprint — also eine leicht gekippte Position — je nachdem, was die jeweilige Übung und der jeweilige Körper erfordern.
- Position des Brustkorbs. Die Rippen sollen nicht „aufklappen“ — Brustkorb und Becken bleiben zueinander ausgerichtet.
- Bewegung und Stabilität der Schulterblätter. Der Schultergürtel zieht nicht zu den Ohren hoch, wird aber auch nicht starr fixiert.
- Position von Kopf und Halswirbelsäule. Der Nacken ist die Fortsetzung der Wirbelsäule, keine separate Einheit.
Worin es sich vom klassischen Pilates unterscheidet
Der auffälligste Unterschied liegt im Umgang mit der Wirbelsäule. Einige klassische Ansätze verlangen bei bestimmten Übungen eine flachere Position des unteren Rückens; der STOTT Ansatz geht, wo immer möglich, vom Erhalt der natürlichen Wirbelsäulenkrümmungen aus und weicht nur dann davon ab, wenn es dafür einen Grund gibt. Das klingt nach einem kleinen Detail, bedeutet in der Praxis jedoch, dass es für eine Übung mehrere aufeinander aufbauende Varianten gibt — und dein Körper entscheidet, welche heute die richtige für dich ist.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Ausbildung. Die STOTT PILATES Ausbildung ist modular aufgebaut: Matwork- und Reformer-Kurse können getrennt absolviert werden. Die Qualifikation als Certified Instructor setzt eine Prüfung voraus; um den aktuellen Status aufrechtzuerhalten, sind jährlich 0,6 CECs, also sechs Stunden Fortbildung, erforderlich. Wenn du auf der Website einer Lehrkraft „STOTT Pilates Instructor“ liest, lohnt es sich nachzusehen, welche Module sie wo absolviert hat.
Warum ich mich dafür entschieden habe
Weil die Methode nicht fragt, wie viele Wiederholungen du schaffst, sondern wie du sie ausführst. Fortschritt zeigt sich nicht daran, dass eine schwierigere Übung hinzukommt, sondern daran, dass dieselbe Übung präziser, ruhiger und kraftvoller wird. Diese Haltung entspricht meiner Sicht auf Krafttraining — und deshalb bildet sie auch die Grundlage von FANNI FORM.
Wenn du Pilates gerade erst kennenlernst, entscheide dich nicht allein nach dem Namen. Achte darauf, wie die Lehrkraft über Bewegung spricht, und besuche eine Stunde. Die ersten zwanzig Minuten sagen mehr als jede Beschreibung.
